Alternative Antriebe: Alles auf Los?

Die Frage nach den Antrieben der Zukunft beschäftigt Wirtschaft und Politik – ein Interview mit der Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig

Der Klimaschutz erfordert die rasche Reduktion der CO2-Emissionen des Straßenverkehrs, und die Städte fordern sauberere Luft. Dafür müssen die Automobilhersteller einen neuen Kurs einschlagen und die Politik einen klaren Rahmen setzen. Damit verbunden steht die Frage im Raum: Welche alternativen Antriebstechnologien taugen für den Massenmarkt und welche sind wirklich zukunftsfähig?

Zur Bedeutung alternativer Antriebe für das Erreichen der Klimaziele, zur Frage nach den richtigen Technologien und zu den Handlungsmöglichkeiten der Politik sprachen wir mit der Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig, Vorsitzende der Verkehrskommission der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU.

 

Die Regierungskommission für den Verkehrsbereich konnte jüngst keine Einigung erzielen, wie die Klimaziele erreicht werden sollen. Welchen Beitrag können alternative Antriebe in Ihren Augen leisten?

In der Koalition haben wir ein Klimaschutzgesetz vereinbart, mit dem wir Maßnahmen bündeln wollen, um die Klimaziele, zu denen wir uns international verpflichtet haben, zu erreichen. Dabei spielen im Verkehrssektor auch alternative Antriebe eine wichtige Rolle. Das Gesetz befindet sich derzeit in der Beratung. Ich bin zuversichtlich, dass wir am Ende eine gute Grundlage haben werden.

Um eine ehrliche Energiebilanz zu erstellen, ist allerdings nicht nur der CO2-Ausstoß der Fahrzeuge im Straßenverkehr zu betrachten, sondern auch die gesamte Herstellungskette von der Rohstoffgewinnung bis zur Verarbeitung und darüber hinaus. Pkw und Lkw verursachen zusammen 96 Prozent der CO2-Emissionen im Verkehrsbereich. Das zeigt, dass hier bei einem Umstieg auf alternative Antriebe auch der höchste Einspareffekt erzielt werden kann.

 

In Deutschland scheint die Diskussion noch unentschieden, ob der Fokus auf der E-Mobilität liegen oder ob technologieoffen gefördert werden soll. Wie schätzen Sie das Stimmungsbild ein?

Technologieoffenheit ist für die CDU/CSU-Bundestagsfraktion von entscheidender Bedeutung. Derzeit wissen wir noch nicht, welche alternative Antriebsart auf lange Sicht am erfolgreichsten und effizientesten sein wird. Daher ist es richtig, sich nicht einseitig auf die batteriegetriebene E-Mobilität zu konzentrieren. Aktuell fördern wir über verschiedene Programme die Wasserstoff- und die Brennstoffzellentechnologie sowie den Umstieg auf Flüssiggasantrieb bei Lkw.

Darüber hinaus haben wir im vergangenen Jahr eine Förderrichtlinie für energieeffiziente und CO2-arme Lkw gestartet. Damit unterstützen wir Speditionen, auf umweltfreundliche Lkw umzusteigen. Von dem Umstieg profitieren alle – die Speditionen, die Umwelt und die Anwohner besonders belasteter Straßen. Der Zuschuss beträgt bis zu 500.000 Euro pro Unternehmen. Auch das ein wichtiger Schritt in Richtung umweltfreundliche Mobilität.

 

Worin sehen Sie jenseits der Regulierung aktuell die größten Treiber für eine nachhaltige Mobilität in Deutschland und Europa?

Der Automobilmarkt hat im Bereich nachhaltige Mobilität sehr an Dynamik gewonnen. Insbesondere bei der Elektromobilität holen die deutschen Hersteller auf. Hintergrund ist vermutlich nicht zuletzt die Konkurrenz aus Asien. Wenn man die Investitionsankündigungen für die kommenden zehn Jahre betrachtet, lässt sich erahnen, wie schnell die Entwicklung weitergehen wird: Die Volkswagen AG, Daimler Gruppe und BMW Group wollen insgesamt rund 140 Milliarden Dollar in alternative Antriebe investieren.

Es sind aber nicht nur politische oder wirtschaftliche Entscheidungen. Ich glaube, dass bei vielen Menschen ein Umdenken stattgefunden hat, was die Nachhaltigkeit der eigenen Lebensführung angeht. Das betrifft nicht nur die Mobilität, sondern auch andere Lebensbereiche. Es gibt mittlerweile ein viel größeres Bewusstsein für die Ressourcen, die wir täglich verbrauchen. Das spiegelt sich auch in der Mobilität wider und dem Wunsch, hier umweltbewusster werden zu wollen.

 

Fotograf: Tobias Koch
Interviewpartnerin Daniela Ludwig, Mitglied des Bundestags und Vorsitzende der Verkehrskommission der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU (Foto: Tobias Koch)

 

Das vollständige Interview und weitere Informationen zu alternativen Antrieben und nachhaltigkeitsrelevanten Entwicklungen in Berlin und Brüssel finden Sie im aktuellen Politikmonitor.

 

Titelbild: bannafarsai-stock.adobe.com

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