Geoengineering: Können technologische Eingriffe unser Klima retten?

Ein Interview mit Dr. Johannes Meier. Er leitete von 2011 bis 2017 die European Climate Foundation.

Wie aussichtsreich erscheint es Ihnen, das globale Klima durch technische Eingriffe derart zu beeinflussen, dass das 2-Grad-Ziel noch erreicht wird?

Dr. Johannes Meier: Die weitaus meisten Klimawissenschaftler sind sich einig, dass das 2-Grad-Ziel mit Transformationen unserer Energieerzeugung, unseres Energieverbrauchs, unserer Mobilitäts- und Transportsysteme und unserer Industrieproduktion erreichbar wäre, wenn es uns gelingt, diese Transformationen tiefgreifend und schnell zu gestalten. Je später und je weniger konsequent diese Transformationen implementiert werden, desto mehr verweisen die Modelle der Transformationspfade auf stark wachsende Kosten und auf die Notwendigkeit großflächiger, technischer Eingriffe in unsere Ökosysteme.

Zunächst nehmen viele der Modelle der Transformationspfade zu einer 2-Grad-Welt des Weltklimarates (IPCC) bereits signifikante negative Emissionen in der zweiten Jahrhunderthälfte an, zum Beispiel mittels BECCS (Biomasseverbrennung mit Carbon Capture and Storage). Die großflächige Nutzung von Land für BECCS-Plantagen birgt das Risiko einer signifikanten Reduktion der globalen Waldfläche und Biodiversität und massiver Konflikte um Frischwasser. Noch weit weniger verstanden sind die Wirkungsmechanismen und Risiken des solaren Geoengineerings, wo technische Eingriffe den Einfall der Sonnenstrahlung beeinflussen sollen – beispielsweise durch das großflächige Versprühen von Aerosolen in die Stratosphäre. Ich bin sehr skeptisch, dass technische Ansätze, die nur Symptome der Erderwärmung adressieren, angemessen sein können, um ein systemisches Problem, welches insbesondere auch die Versauerung von Ozeanen umfasst, lösen können.

Die internationale Staatengemeinschaft bemüht sich, die Produktion von CO2 einzusparen, um die Erderwärmung abzubremsen. Weshalb ist sie bei Geoengineering als weitere Maßnahme so zurückhaltend?

Meier: Zunächst ist unser Wissen um Wirkungsmechanismen und Risiken von Geoengineering höchst rudimentär. Klar ist jedoch, dass selbst ein erfolgreiches solares Geoengineering nur eine schädliche Wirkung der Treibhausgase adressieren würde und dies nur auf globaler Ebene. Die Versauerung der Ozeane würde weiter zunehmen und lokale Temperaturen und das Klima würden sich auch bei einer Stabilisierung der globalen Temperatur mittels solarem Geoengineering dramatisch verändern. Die internationale Staatengemeinschaft fürchtet zu Recht die entstehenden Konflikte, wenn ein Land zu Lasten anderer Staaten vom Geoengineering profitieren würde.

Da die Wirkung von Geoengineering Ländergrenzen überschreitet, müsste staatliche Regulierung von technischen Maßnahmen durch die internationale Staatengemeinschaft erfolgen.

Wenn weiter nur private Unternehmen Geoengineering durchführen, wie müsste staatliche Regulierung aussehen, um die Risiken abschätzen und kontrollieren zu können?

Meier: Da die Wirkung von Geoengineering Ländergrenzen überschreitet, müsste staatliche Regulierung von technischen Maßnahmen durch die internationale Staatengemeinschaft erfolgen. Es ist schwer vorstellbar, dass Länder tatenlos zusehen würden, wenn ein privates Unternehmen oder ein anderes Land eine Geoengineering-Intervention durchführt, die in katastrophalen, lokalen Klimafolgen in diesen Ländern resultiert. Nachdem ich aus der Nähe die Schwierigkeiten erlebt habe, einen Konsens und eine globale Governance in Form des Klimaabkommens beim Klimagipfel in Paris herbeizuführen, fehlt mir die Fantasie, wie sich die internationale Staatengemeinschaft auf eine differenzierte Regulierung von Geoengineering-Interventionen und die Kompensation von Schäden zwischen betroffenen Ländern einigen könnte.

 

Das vollständige Interview und weitere Informationen zu Geoengineering und nachhaltigkeitsrelevanten Entwicklungen in Berlin und Brüssel finden Sie im aktuellen Politikmonitor.

Andere Neuigkeiten

Lesen Sie auch