SDGs in Action – auf Erfolgskurs oder schon abgeschlagen?

Über das große Potenzial der SDGs und das bislang verhaltene Engagement der Privatwirtschaft.

2015 haben die Vereinten Nationen (UN) mit den Sustainable Development Goals (SDGs) eine ambitionierte Vision der Welt im Jahr 2030 erarbeitet, die drängenden Fragen unserer Zeit nachgehen. Alle 193 Mitgliedsstaaten haben sich darauf verständigt, ihren Beitrag zu den 17 Zielen mit insgesamt 169 Unterzielen zu leisten. Nun liegt es an allen, diese umzusetzen: Nationalstaaten und lokale Regierungen, Unternehmen und NGOs sowie jeder Einzelne als Bürger einer globalen Gesellschaft. Wie weit sind wir? Ein Blick auf den Status quo.

Der Handlungsbedarf ist groß, wenn wir die globalen Ziele bis 2030 erreichen wollen. Mut macht, dass viele dem Aufruf der UN gefolgt sind: Stiftungen und NGOs haben Maßnahmen angestoßen, öffentlich-private Partnerschaften sind entstanden, Unternehmen haben Stellung bezogen, um die SDGs Realität werden zu lassen. Sie alle gehen einer Frage nach: Was müssen wir heute tun, damit wir morgen noch ein gutes Leben führen können?

Skandinavien glänzt, Deutschland im Mittelfeld

Zunächst fordern die globalen Ziele insbesondere staatliche Regierungen dazu auf, nationale Aktionspläne zu erarbeiten – jeweils mit Blick auf landesspezifische Bedingungen. Hoffnung machen die Entwicklungen im Globalen Süden: Die Kindersterblichkeitsrate der unter Fünfjährigen in Subsahara Afrika ist um 35 Prozent gesunken. In Südasien ist das Risiko für Mädchen, vor Volljährigkeit verheiratet zu werden, um mehr als 40 Prozent zurückgegangen.

Die Industrieländer kommen ihrer Vorbildrolle bisher nur teilweise nach, so das aktuelle SDG-Ranking der Bertelsmann Stiftung. Bei den G20-Ländern ist es insbesondere die fehlende Verankerung in nationalen Regelwerken, die Fortschritte in der Umsetzung verlangsamt. Zwar stehen ganz oben im Ranking Schweden, Dänemark und Finnland, Deutschland folgt auf einem guten vierten Platz. Doch wenn man näher hinschaut, bröckelt die Fassade. So produzieren die Deutschen laut Bertelsmann Stiftung jährlich etwa 22 Kilogramm Elektroschrott pro Kopf und stehen damit dem Konsumweltmeister USA in nichts nach. Alles andere als ein gutes Ergebnis in Bezug auf nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster (SDG 12). Es ist noch einiges zu tun, denn auch das zeigt die Studie: Kein Land ist derzeit auf dem Weg, alle Ziele bis 2030 zu erfüllen.

New York legt umfassenden Aktionsplan vor

Insbesondere Städte werden immer stärker zum Brennglas gesellschaftlicher Entwicklungen. Bereits heute leben 55 Prozent der Weltbevölkerung in urbanen Räumen. Die Aussicht, dass sich künftig immer mehr Menschen immer knapperen Lebensraum teilen, zwingt Städte zum Umdenken. Städte und ihre Verwaltungen gewinnen damit eine neue Verantwortung – gemäß dem UN-Leitspruch „Think global – act local“.

New York als wachsende Metropole und orkangeplagte Küstenstadt hat bereits 2015 mit „OneNYC“ ein ambitioniertes Programm zur Umsetzung der globalen Ziele vorgelegt. Bis 2050 sollen die Stadtbewohner die sauberste Luft im amerikanischen Städtevergleich einatmen und Treibhausgasemissionen um 80 Prozent gesenkt werden. Genauso ehrgeizig ist der Plan, 800.000 New Yorkern bis 2025 aus der Armut zu helfen. Der Aktionsplan scheint zu funktionieren: Die Arbeitslosigkeit ebenso wie die Zahl von Menschen in Armut sindauf einem Rekordtief. Die Zahl von Verkehrsunglücken ist auf dem niedrigsten Stand seit 1910, auch weil die Stadt massiv in die Infrastruktur wie beispielsweise geschützte Fahrradwege investiert hat. Logisch, dass New York in diesem Jahr vor den Vereinten Nationen über den eigenen Fortschritt berichtete – bisher als erste und einzige Stadt.

Auch in Europa finden sich regionale Initiativen für eine nachhaltige Entwicklung. Die europäische Fahrradhochburg Kopenhagen zählte 2016 in der Innenstadt erstmalig seit 1970 mehr Fahrräder als Autos. München hat sich 2016 offiziell zu den SDGs bekannt und mit der „Ausbauoffensive Erneuerbare Energien“ einen ehrgeizigen Plan vorgelegt: 2040 will sie die erste deutsche Großstadt sein, die Fernwärme für die Haushalte ihrer Bürger zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien speist – ganz im Zeichen von SDG 7, das für bezahlbare und saubere Energie steht.

Viel Aktionismus und viele Fragen bei Unternehmen

Die Bemühungen von Staaten und lokalen Regierungen allein reichen jedoch nicht. „Der Privatsektor ist ein unerlässlicher Partner für die Erreichung der Sustainable Development Goals“, sagte Ban Ki-Moon, ehemaliger UN-Generalsekretär kurz nach Verabschiedung der SDGs.

Bislang zeigen sich die Unternehmen engagiert und nehmen die Herausforderung an – trotzdem stellt sich die Frage, wie sie zu den vornehmlich für Staaten formulierten Zielen beitragen können. Nur ein Drittel der Unternehmen priorisiert die Oberziele und setzt überhaupt einen Fokus in ihrem Bemühen. Nur wenige Unternehmen gehen noch einen Schritt weiter, wie eine Studie des World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) zeigt: Durchschnittlich vier von zehn Unternehmen beziehen auch die Unterziele in ihre Analysen ein. Ein Großteil trifft hingegen nur allgemeine Aussagen zu gleich allen 17 Zielen. Damit werden die Unternehmen zwar aktiv – zielführend ist dieses Vorgehen allerdings nicht.

Viele bleiben auf Ebene der Oberziele

Während die SDGs bei strategischer Anknüpfung ans Kerngeschäft und Impactmessung bisher für viele Unternehmen sperrig bleiben, so sind sie als Kommunikationsmittel äußerst beliebt. Ein Großteil der Unternehmen nutzt die bunten SDG-Quadrate für die Berichterstattung, viele bleiben dabei aber auch hier auf Ebene der Oberziele. Der Vorwurf des „Rainbow Washing“ steht schnell im Raum: Unternehmen sollten, um ihre Glaubwürdigkeit zu wahren, die SDGs nur dann kommunikativ einsetzen, wenn sie tatsächlich zur Erreichung der globalen Ziele beitragen.

Jeder ist gefordert

Am Ende wird es darauf ankommen, dass wir alle unsere Chancen ergreifen und – ganz im Sinne der UN-Kampagne „Be the Change“ – jeder Einzelne von uns aktiv wird. Es ist an uns, neue Lösungen zu entwickeln und Innovationen voranzutreiben, um den globalen Herausforderungen zu begegnen. Denn jeder kann und muss einen Beitrag leisten, damit wir und kommende Generationen ein gutes Leben auf der Erde führen können.

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