Next Growth – Wachstum neu gedacht

„Cornelius kocht“ mit Nachhaltigkeitsforscher Prof. Dr. André Reichel und Ökopionier Georg Schweisfurth

Der seit Jahren anhaltende Wirtschaftsboom kommt ins Stocken. Zeit, sich über Konzepte Gedanken zu machen, die Wachstum neu denken. Next Growth setzt auf die „doppelte Entkopplung“ und verspricht weniger Ressourcenverbrauch bei mehr Lebensqualität. Auch wir stellen uns die Frage: Wieviel ist eigentlich genug? Was heißt Wachstum? Und sind ökologischer und sozialer Mehrwert nichts wert? Darüber diskutierten wir am 28. März 2019 bei „Cornelius kocht“ mit demWirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. André Reichel, Herausgeber der Studie „Next Growth“, und dem Unternehmer Georg Schweisfurth sowie vielen weiteren Gästen.

Wachstum als kulturelles Phänomen

Prof. Dr. André Reichel beschreibt den Begriff des Wachstums als kulturelles Phänomen, der unsere Gesellschaft zu dem gemacht habe, was sie heute ist. Eben darum sei es so schwierig, die gelernte Gleichung „Erfolgreich wirtschaften = Wachstum“ aufzulösen und neu zu denken. Dabei merken wir schon lange: Klimawandel können wir nicht rein mit Effizienzrechnungen begegnen. Reichel plädiert daher dafür, Wachstum nicht nur aus der Sicht des Mehrwerts zu beleuchten, sondern auch immer den „Leid-Wert“ im Blick zu haben: Nicht alle profitieren automatisch, wenn es ums Wachstum geht und auch soziale und ökologische Aspekte haben ihren Wert.

Eine Frage der Werte

Dabei ist die Debatte um Next Growth auch eine Wertedebatte. Diese sei gerade im Mittelstand erkennbar, denn dort ginge es nicht nur um Wachstum, sondern ebenfalls darum, Mitarbeiter zu halten und Herausforderungen wie der Digitalisierung erfolgreich zu begegnen – ohne dabei die Unternehmenswerte zu verlieren. Reichel ist davon überzeugt, dass Veränderung in Nischen beginnen – und dass Mitarbeiter eine hohe Wirksamkeit für Veränderung bei ihrem Arbeitgeber haben können. Sind ihnen ökologische und soziale Aspekte wichtig, müssen Unternehmen reagieren, um sich im Arbeitsmarkt zu behaupten.

Das Gute darf wachsen – wenn‘s gut ist

Der Münchner Unternehmer Georg Schweisfurth erzählt im Anschluss von seinem beruflichen Werdegang vom gelernten Metzger zum Öko-Pionier. Sein Vater Karl Ludwig Schweisfurth leitete das Unternehmen Herta, den größten Fleisch verarbeitenden Konzern Europas. Nach dem Verkauf erfolgte eine radikale Kehrtwende und eine Hinwendung zur ökologischen Landwirtschaft. Als Mitinitiator der Hermannsdorfer Landwerkstätten und -gründer der Bio-Supermarktkette Basic stellt sich Georg Schweisfurth oft die Frage: Wie viel wollen wir wachsen und ab wann gefährdet Wachstum unsere Werte oder unser Qualitätsversprechen? Schweisfurth ist aber auch überzeugt, dass es ein gewisses Mengenwachstum braucht. „Und das Gute darf ja auch wachsen – wenn‘s gut ist.“


Wir bedanken uns herzlich für die inspirierenden und anregenden Impulsvorträge von Prof. Dr. André Reichel und Georg Schweisfurth sowie bei unseren Gästen, die mit uns diskutiert und sich mit uns auf Sinnsuche begeben haben!


Impressionen von „Cornelius kocht“ am 28. März 2019

 

Im Rahmen von Cornelius kocht begrüßen akzente, fors und sustainable regelmäßig interessierte Gäste bei einem ungezwungenen Abend, um sich bei Wein und Pasta mit selbst gemachtem Pesto über aktuelle Themen der Münchner Nachhaltigkeitsszene auszutauschen.


Titelfoto: Chris Barbalis | Unsplash; Fotos: Nina Vogt

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